Straßenkinder in Panabo

Um mehr über die Zielgruppe des zukünftigen Kinderdorfs, ihre Situation und ihre Lebensgeschichte zu erfahren, machten wir uns in Panabo auf die Suche nach Straßenkinder. Von Suche kann nicht wirklich die Rede sein, denn wir trafen sehr schnell auf mehrere Straßenkinder.

Zu Beginn waren die Kinder sehr verschüchtert und ängstlich, sie befürchteten, dass wir von der örtlichen sozialen Behörde kommen. Wir klärten sie darüber auf, dass wir von Mariphil sind, was zu essen für sie dabei haben und uns sehr gerne mit ihnen unterhalten würden. Wir waren auf einiges vorbereitet, aber die Geschichten der Kinder überstiegen unsere Vorstellungen bei Weitem und berührten uns zutiefst.

Die Kinder waren total ausgehungert und fielen stürmisch über den Reis, die Nudeln und den Fisch her.

Die meisten Kinder sind zwischen 6 und 15 Jahre alt, wobei wir auch mit einem Kind gesprochen haben, welches nicht wusste wie alt es ist. Teilweise leben auch mehrere Geschwister gemeinsam auf der Straße.

Die Gründe weshalb die Kinder kein Zuhause haben sind vielfältig: die Eltern sind gestorben und es gibt niemanden der sich um sie kümmern kann oder will, die Kinder werden zuhause misshandelt, die Kinder werden von zuhause weggeschickt weil die Eltern sich nicht um sie kümmern können oder wollen, die Eltern trennen sich und die neuen Partner akzeptieren die Kinder nicht oder die Eltern ziehen an einen anderen Ort und lassen ihre Kinder einfach zurück.

Wir wollten etwas über den Alltag der Kinder erfahren und sie waren gerne bereit uns zu zeigen wo sie sich aufhalten, wo sie schlafen und sich waschen.


Die Kinder erzählen uns, dass der Kanal hinter dem Zaun die häufigste Waschgelegenheit darstellt. Sie sagen: „Auch wenn das Wasser sehr dreckig ist und alles mögliche darin schwimmt, wenigstens haben wir uns gewaschen.“

Dieser alte verrostete Metallstand wird von den Kindern als Aufenthaltsort und vor allem als Schlafmöglichkeit genutzt.

Um an Essbares zu kommen betteln die Kinder und essen die Reste, die andere Leute an den Essenständen übrig lassen. Die Kinder sind uns gegenüber sehr offen und erzählen, dass sie alle seit Jahren täglich Klebstoff schnüffeln, weil sie ihre Situation auf diese Weise einfacher ertragen können.

Die Kinder haben außer den Sachen, die sie am Körper tragen keinerlei Habseligkeiten. Sie haben teilweise keine Schuhe und ein Junge erzählt uns ganz verschämt, dass die einzige Hose die er hat und auch im Moment trägt eigentlich für Mädchen ist.

Ein Junge kam auf uns zu und fragte ob er für sich und seine kranke Freundin auch etwas zu essen haben könne. Das Mädchen war 14 Jahre alt und hatte leichtes Fieber. Ihre Freunde erzählten uns, dass der Grund für ihr Unwohlsein auch darin liegen könne, dass sie die vergangene Nacht kaum schlief, da sie drei Freier hatte. Wir trafen insgesamt sehr wenig Mädchen an aber die Kinder erzählen uns, dass die meisten ihrer Freundinnen, die auf der Straße leben, ihren Körper verkaufen um dadurch an ein wenig Geld zu kommen.

Sie sind neugierig geworden?

  • Bericht von Nadja Glöckler über die Strassenkinder von Panabo
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