Exkursion ins Taifun-Katastrophengebiet

01.03.2013 23:05

Für heute ist eine Exkursion ins Katastrophengebiet des Taifun „Bopha“ geplant. Wir möchten uns einen Eindruck der Ergebnisse der Hilfsaktion von MARIPHIL verschaffen. 

Alle im Rahmen dieses Projekts unterstützten Kleinbauern im Katastrophengebiet können wir auf keinen Fall besuchen. Daher hat unsere Glücksfee Xenia wahllos 10 Kleinbauern aus dem 7 cm dicken Aktenstapel herausgesucht, die wir heute besuchen wollen.

Um 05:00 aufstehen und einen Kaffee trinken - um 06:00 Uhr ging es dann los. Nach einer guten Stunde haben wir das Taifungebiet erreicht und besuchen als erstes das Katastrophengebiet in New Bataan, wo eine Stein- und Gerölllawine wohl mehr als tausend Menschen in den Tod gerissen hatte. Über 500 Tote sind bestätigt und weitere fast 600 werden noch unter der gigantischen Lawine vermisst. Eine ganze Ortschaft wurde von bis zu tonnenschweren Steinen zugedeckt. Was für Naturgewalten dahinter gesteckt haben, kann man nur vermuten.

Wer das nicht gesehen hat, kann es nicht wirklich glauben.

 

Dann geht es weiter zu den Kleinbauern im Hinterland des Taifungebiets. Überall ist noch immer die Wucht des damaligen Taifuns zu erahnen. Wir holen unsere Projektkoordinatorin vor Ort ab und besuchen die Ortschaftsverwaltungen, über die wir die ausgesuchten Kleinbauern ausfindig machen. Da wir im Vorfeld nicht bekannt gegeben haben, wen von den  ca. 480 unterstützten Kleinbauern wir besuchen werden, sind einige nicht anzutreffen. Aber bei den übrigen können wir ausnahmslos die Empfänger identifizieren (Gegenunterschrift zum vorhandenen Vertrag), ein kurzes Interview halten und bei 3 der Bauern haben wir das Reisfeld direkt besucht.

Durch unsere Hilfe sind die Reisfelder in wirklich gutem Zustand und die Farmer sind sehr dankbar für die Unterstützung. Die Felder stehen trotz vieler Überschwemmungen im Nachhall des Taifuns in vollem Korn und die ersten beginnen schon mit der Ernte. Die akute Hungernot in diesen Gebieten ist auf jeden Fall beseitigt und den Farmern steht eine gute Ernte ins Haus, die ihnen dann auch helfen wird, Ihre Häuser langsam wieder aufzubauen.

Fazit: Unsere Taifunhilfe war gut koordiniert und sehr effektiv. Es war richtig, einen großen Teil der vorhandenen Spenden nach den ersten beiden Wochen in die mittelfristige Absicherung der Lebensmittelversorgung zu investieren.

Gegen Abend waren wir dann wieder zurück im Kinderdorf.

 

Weitere Eindrücke aus dem Katastrophengebiet

Berichte einer Katastrophe in den Medien zu verfolgen und selber durch das Kathastrophengebiet zu reisen sind ganz unterschiedliche Dinge. Die ungeheure Zerstörung durch diese Naturgewalt mit eigenen Augen zu sehen war ein emotional unglaublich intensives Erlebnis. Zwar sind die Strassen im Gebiet New Bataan zwischenzeitlich repariert, aber am Strassenrand gibt es immer noch grosse Mengen von Trümmern und Schutt um die sich niemand mehr zu kümmern scheint. Den Häusern sieht man die Taifunschäden noch immer an - viele sind nur notdürftig mit Trümmerteilen und Plastikplanen repariert. Hier ist 3 Monate nach der Katastrophe von den massiven Hilfsleistungen von NGO's aus aller Welt und der philippinischen Regierung nur recht wenig zu entdecken...

Noch immer leben viele Obdachlose in den Zeltstädten und Notunterkünften - wo die Leute einmal hin sollen können wir uns nicht so recht vorstellen. In der Regel wurden diese Einrichtungen in den unmittelbaren Aussenanlagen von Schulen und öffentlichen Einrichtungen errichtet, die daher den Schulbetrieb noch immer nicht wieder aufnehmen konnten. Unglaublich deprimierend waren auch die unzähligen verlassenen Hausruinen - einige dieser Familien leben in den Notunterkünften oder haben die Gegend verlassen um anderswo eine neue Existenz aufzubauen.

Die Ortschaften, in denen MARIPHIL tätig war, liegen weit im Hinterland der Zentren New Bataan und Compostela. Dort gibt es grossflächig noch immer keine Strom- und Wasserversorgung. Auch die Häuser sind in einem erbärmlichen Zustand - die Sturmschäden sind oft nur provisorisch geflickt. Die Dichte von verlassenen Hausruinen ist unglaublich hoch. Eine sehr deprimierende Situation...

Erschreckend war für uns auch, dass die durch den Taifun völlig zerstörten Bananenplantagen offensichtlich wieder aufgebaut werden, als wäre nichts geschehen. Dahingegen machten die Reisfelder im Projektgebiet einen überwiegend guten Eindruck. Das lässt auf eine gute Ernte hoffen, für die Familien im Projektgebiet wäre das ein wichtiger Schritt zum Wiederaufbau einer Existenz nach diesem Unglück.

Für uns war es auf jeden Fall ein erlebnisreicher Tag - wir freuen uns sehr über den Erfolg der von uns unterstützten Reisbauern und haben die Gastfreundschaft bei diesen Familien sehr genossen.

An dieser Stelle möchten wir uns im Namen der Familien im Katastrophengebiet nochmals ganz herzlich für Ihre Unterstützung bedanken! Ohne Ihre grosszügigen Spenden wäre eine Unterstützung in dieser Grössenordnung nicht möglich gewesen.