Neuigkeiten aus dem Kinderdorf

31.12.2013 15:40

Pünktlich vor Jahreswechsel gibt es wieder Neuigkeiten
aus dem Kinderdorf
!

Seit den vergangenen Monaten hat sich wieder einiges verändert, neue Mitarbeiter und Volunteers wurden eingearbeitet, die Kinderanzahl steigt weiterhin und auch die Bauarbeiten im Kinderdorf gehen voran.

Mittlerweile werden nun schon vier unserer bunten Kinderdorfhäuser von jeweils 9-11 Kindern bewohnt. Das fünfte Haus ist bereits fertig und wird derzeit noch als Unterkunft für freiwillige Helfer und Psychologie-Studenten genutzt, welche im vergangenen Monat verschiedene Kurzzeitpraktika absolvierten. Doch schon im nächsten Quartal soll auch das fünfte Haus mit Leben gefüllt werden und weiteren Kindern ein neues Zuhause bieten. Das sechste Haus ist bereits in Arbeit und wird vorrausichtlich im ersten Quartal des neuen Jahres fertiggestellt. Doch auch für die Volunteers wurde vor drei Monaten eine neue Unterkunft errichtet – eine weitere gemütliche Bambushütte, welche perfekt als Schlaf- und Rückzugsort dient. Direkt hinter den Bambushütten soll bald auch ein Fischteich entstehen. Hierfür wurde bereits ein Erdloch gegraben, welches in den nächsten Wochen geflutet werden soll. Ein weiteres Projekt, welches nun bereits zum Abschluss gebracht wurde, ist die Solaranlage des Kinderdorfes. Die reichliche Sonnenenergie, die hier auf den Philippinen zur Verfügung steht, kann uns nun helfen, unsere Stromrechnungen zu senken bzw. durch den Verkauf des überschüssig produzierten Stroms an den örtlichen Stromversorger, zusätzliches Einkommen zu gewinnen. Ideen für weitere Bauprojekte, wie beispielsweise ein zweites Office-gebäude oder die Umgestaltung der Bodega, gibt es bereits, jedoch müssen diese Projektideen erst noch weiter reifen, bevor sie schließlich umgesetzt werden können.

Auch im Bereich der Mitarbeiter hat sich einiges getan.  Eine neue Arbeitsstelle im Kinderdorf fanden z.B. ein weiterer Gärtner, der sich um den immer größer werdenden Gartenbereich kümmert, ein Guard, welcher für mehr Sicherheit im Kinderdorf sorgt sowie eine neue Sozialarbeitern, welche erst kürzlich ihren Abschluss am College absolvierte und nun frische Ideen in den sozialpädagogischen Arbeitsbereich bringt. Auch zusätzliche Hausmamas wurden in den vergangenen Monaten eingestellt. Derzeit sind nun vier Hausmamas beschäftigt, welche den jeweiligen Häusern fest zugeteilt sind, sowie zwei Hausmamas, welche bei deren freien Tagen flexibel eingesetzt werden. Neben einer Krankenschwester, welche die Kinder an zwei Tagen der Woche medizinisch umsorgt, wurde nun auch ein Psychologe eingestellt, welcher sich intensiv mit den Hintergründen und den schweren Erlebnissen der Kinder auseinandersetzt. Vor allem für die Kinder, welche teils jahrelang unter den schlimmsten Bedingungen lebten, missbraucht und geschlagen wurden, auf der Straße lebten, klauten und auch selbst Gewalt anwendeten, ist eine psychologische Einzelbetreuung nun von großer Bedeutung.

Ebenso gab es Zuwachs bei den Volunteers. Fünf der acht Freiwilligen absolvieren ihren entwicklungs­politischen Freiwilligendienst über das Weltwärts-Programm, welches seit Anfang des Jahres auch bei Mariphil möglich ist. Hierbei werden die Freiwilligen durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt. Aber auch die Möglichkeit eines freien Praktikums besteht weiterhin.

Die neuen freiwilligen Helfer befinden sich nun schon seit über 3 bis 5 Monaten auf den Philippinen und wurden bereits in verschiedene Aufgabenbereiche eingearbeitet. Sechs der acht Volunteers sind fest in den Häusern eingeteilt, das heißt sie unterstützen  die jeweiligen Hausmamas bei der Betreuung der Kinder, helfen den Kleinen bei ihren Hausaufgaben, spielen, basteln, lesen und bringen sie abends schließlich in ihre Bettchen. Die anderen zwei Volunteers sind hauptsächlich im Büro eingeteilt, das heißt sie assistieren sowohl der Leiterin des Kinderdorfes, als auch den Sozialarbeitern bei ihrer Arbeit. Zusätzlich haben die Freiwilligen auch eigene Projekte, für welche sie verantwortlich sind, wie beispielsweise den Deutschunterricht für Mariphil Studenten, die Organisation der Sport- und Spielgeräte oder auch das regelmäßige Update des Mariphil Blogs.    Dank der vielen Reissackspenden konnten nun auch ein weitere Aktion ins Leben gerufen werden: Die wöchentliche Verteilung von Reissäcken an die ärmsten Familien Panabos, sowie das Austeilen von Arroz Caldo (eine philippinisches Gericht bestehende aus Reis und Hühnchen) an die hier lebenden Straßenkinder.

Ein weiteres Projekt, welches nach langer und intensiver Vorbereitung schließlich am 7. Dezember 2013 erfolgreich umgesetzt werden konnte, war der Mariphil Christmas Fun Run – ein Fundraising-Projekt zur Unterstützung des Kinderdorfes. Mit fast 30 lokalen Großsponsoren und knapp 1000 Teilnehmern konnten wir damit nicht nur einen finanziellen Gewinn, sondern auch steigende Aufmerksamkeit für die Straßenkinder in Panabo  sowie für unsere Arbeit im Mariphil Kinderdorf erreichen.

Schließlich gibt es auch eine formelle Änderung im Kinderdorf. Der Name „MARIPHIL Orphanage Foundation“ wird nun in „MARIPHIL Children‘s Village“ umbenannt.

Ein Hauptgrund dafür war, dass der Name „Orphange“ (Waisenhaus) immer weniger passend erschien, denn derzeit lebt nur ein Waisenkind hier im Kinderdorf und unser Konzept entspricht mehr einer familienähnlichen Struktur und weniger dem eines klassischen Waisenhauses. Alle anderen Kinder haben zwar teilweise auch Familienangehörige verloren, sind Halbwaisen, oder wurden aufgrund der Armut aus der Familie verstoßen bzw. aufgrund hoher Gewaltanwendung auf die Straße vertrieben, jedoch sind sie keine „Vollwaisen“, wie es der ehemalige Name erkennen ließ. „Mariphil Children’s Village“ entspricht nun genauer der deutschen Übersetzung „Kinderdorf“ und richtet sich an unsere gesamte Zielgruppe -  nämlich an Kinder, die kein liebevolles Zuhause mehr haben und sich unter menschenunwürdigen Bedingungen durchs Leben kämpfen müssen, da sie gefangen sind in Armut, in fehlender Bildung und in der Gewaltbereitschaft, die sie teilweise von ihren eigenen Eltern vorgelebt bekommen haben.

Trotz steigender Kinderanzahl, gibt es dennoch auch einen Wechsel an Kindern im Mariphil-Dorf. Teilweise vermissen die Kinder die verführerische „Freiheit“  des Straßenlebens -  eine Freiheit, die keine Strukturen, Regeln, Bildung oder Verantwortung kennt. Auch wenn es den Mitarbeitern des Kinderdorfes oft schwer fällt, muss die individuelle und freie Entscheidung der Kinder berücksichtigt werden. Denn die Tatsache, Kinder gegen ihren Willen hierzubehalten, würde gegen jede Regel und Moral unserer Arbeit verstoßen. Schließlich stellt das Kinderdorf einen Ort dar, wo Kinder freiwillig leben und aufwachsen können, wo ihnen Liebe und Zuneigung geschenkt, aber auch Regeln und Strukturen beigebracht werden. Und auch trotz vieler Herausforderungen, die sich täglich in der Arbeit mit den Kindern stellen, freuen wir uns schon in den nächsten Wochen immer mehr Kindern ein sicheres und liebevolles Zuhause im Mariphil Kinderdorf schenken zu können.

Nadja Glöckler, Leitung Kinderdorf