Bericht zur Aktion Reissack 2014

11.12.2014 15:57

Seit 2001 beschert MARIPHIL mit der „Aktion Reissack“ vielen in extremer Armut lebenden Menschen im Projektgebiet auf den Philippinen ein hungerfreies Weihnachtsfest. 2013 kamen durch die Initiative und das Engagement vieler Hilfsbereiter sagenhafte 93 Tonnen Reis zusammen, womit schätzungs­weise 22.000 Menschen ein in dieser Hinsicht sorgenfreies Weihnachten ermöglicht wurde.

Auch in diesem Jahr laufen die Vorbereitungen für die groß angelegte Aktion nun seit Wochen auf Hochtouren, damit der Reis wieder pünktlich zum Weihnachtsfest unter den bedürftigen Familien verteilt werden kann. Doch bevor der Reis in Säcken verpackt bei den Familien und im Kinderdorf ankommt, gibt es für die Koordinatoren und Reisfarmer der 2010 ins Leben gerufenen "MARIPHIL – Kooperative für Reisbauern" und die Organisatoren der Verteilung der Reissäcke einiges zu tun. Denn der Reis füllt sich bekanntlich weder von alleine in die Säcke, noch verteilt er sich von selbst. Deshalb ist es interessant zu erfahren, woher eigentlich der Reis für die Aktion Reissack kommt und wie der Reis unter den ausgewählten Familien in den verschieden Stadtteilen (auf den Philippinen Barangays genannt) verteilt wird.

Eine besondere Rolle bei der Vorbereitung der alljährlichen Reissackaktion kommt der Kooperative für Reisbauern von MARIPHIL zu. Bereits am 17. Oktober wurde mit der Reisernte und den Vorbereitungsmaßnahmen begonnen, um einen reibungslosen Ablauf der Aktion Reissack 2014 sicherzustellen. Neben der Produktion und Verarbeitung des Reises geht es vor allem darum, die an der Kooperation beteiligten Reisfarmer aus der Umgebung beim Reisanbau und der Ernte zu unterstützen. Koordinatorin Mary Grace ist für die Zusammenarbeit der MARIPHIL Kooperative mit den oftmals sehr armen Reisfarmern verantwortlich. Durch die Kooperation soll es den Familien im Projektgebiet ermöglicht werden, eigenes Land zu fairen Bedingungen erfolgreich und nachhaltig zu bewirtschaften.  Die Unterstützung beschränkt sich nicht nur auf die Bereitstellung von Ackerland, sondern umfasst auch die für eine erfolgreiche Bewirtschaftung erforderliche Infrastruktur, qualifizierte fachliche Weiterbildung und nicht zuletzt die Hinführung zu ökologisch verantwortungsvoller Landwirtschaft. Der angebaute Reis dieser Reisbauern wird im Anschluss an MARIPHIL verkauft und im Zuge der Aktion Reissack an Bedürftige verteilt. In diesem Sinne werden nicht nur die Familien unterstützt, die den Reis erhalten, sondern auch nachhaltig diejenigen, die ihn produzieren. Damit der Reis aber überhaupt auf den Feldern wächst und bis er, bereit für den Reiskocher, verpackt werden kann, muss ein philippinischer Reisfarmer einige Arbeitsschritte befolgen. Die Bauern müssen ihr Feld aufwendig pflügen und vorbereiten, um die Reissamen dann zunächst in einem begrenzten Saatbeet anzupflanzen. Sobald die Reispflanzen ein Stück gewachsen sind, werden sie umgepflanzt. Natürlich muss das Feld über die ganze Anbauzeit regelmäßig bewässert werden und nach dem Umpflanzen ist es notwendig, das Feld zu düngen, Insektenmittel zu verteilen und das Unkraut zu entfernen, damit der Reis ungestört wachsen kann. Nach etwa 4-5 Monaten ist der Reis bereit für die Ernte. Bei dieser harten Arbeit kann die MARIPHIL Kooperative die Reisbauern zumindest teilweise durch die Bereitstellung von Maschinen entlasten. Ist der Reis erst einmal geerntet, kommt die Kooperative für die weitere Verarbeitung zum Zuge. Der Reis wird hier mit den entsprechenden Geräten gewogen, getrocknet und gemahlen. Zu dieser Zeit herrscht reges Treiben in der MARIPHIL Kooperative und die Mühle steht scheinbar nie still. Hat der Reis all diese Schritte erfolgreich durchlaufen, wird er schlussendlich in Säcke gefüllt und ist somit bereit zur Verteilung. 

 

Neben der Produktion und Verarbeitung des Reises bildet die Koordination der Verteilung die zweite große Säule bei der Vorbereitung und Durchführung der Aktion Reissack. Hauptverantwortlich für die Identifizierung der ärmsten Familien im Projektgebiet und die gesamte Verteilungsaktion ist Emeterio Blase, genannt Emem, philippinischer Vorstand von Hilfsprojekt MARIPHIL. Zuerst koordiniert er die Auswahl der bedürftigen Familien. Dafür werden die bedürftigsten Familien in den umliegenden Barangays nach den Richtlinien MARIPHILs ausgesucht, denn bei der Aktion Reissack soll gewährleistet werden, dass vor allem die mittellosesten Familien von dem gespendeten Reis profitieren. Hierbei wird eng mit dem jeweiligen Ortsvorsteher, dem Barangay Captain,  zusammengearbeitet, da dieser die nötigen Informationen zu den Bewohnern seines Stadtteils besitzt. Danach wird die benötigte Menge Reis pro Bezirk berechnet und schließlich müssen die Säcke um die Weihnachtszeit übergeben werden. Die Verteilung des Reises ist eine große organisatorische Herausforderung. Schon am 1. Dezember wurde mit der Verteilungsaktion gestartet, sodass der Reis pünktlich zum Weihnachtsfest bei allen Familien ankommt. Nach einem festen Zeitplan müssen 40 Barangays mit dem großen Truck der „Task Force Rice MARIPHIL“, der vor der Abfahrt von starken Helfern bis obenhin mit Säcken beladen wird, besucht werden. Vorher wird der Reis aus den ursprünglichen 50kg Säcken in kleinere Säcke umgepackt, damit möglichst viele Familien von dem gespendeten Reis satt werden. Dies entspricht auch der philippinischen Mentalität, da gerne mit Nachbarn und Freunden geteilt wird und es nicht gerne gesehen wird, wenn jemand leer ausgeht. Die Familien werden im Voraus über die Verteilung der Reissäcke informiert und erhalten ihren Anteil nur, wenn sie zur festgelegten Zeit vor Ort sind. In den jeweiligen Barangay Halls sieht man in den Gesichtern der wartenden Menschen bei der Ankunft des MARIPHIL Teams und des Trucks voller Reis ehrliche Freude und besonders in den kleineren Barangays herrscht geradezu eine feierliche Stimmung bei der Reisübergabe. 

In diesem Jahr wurde zum ersten Mal auch den deutschen Freiwilligen des Kinderdorfs ein neuer Barangay zugeteilt, dessen Bewohner durch die gespendeten Reissäcke unterstützt werden sollen. Die Freiwilligen übernehmen dabei eine große Verantwortung bei der Koordination und Durchführung der Aktion in diesem Gebiet. Die Verteilung des Reises sollte möglichst reibungslos ablaufen und durch Stichproben sollen ausgewählte Familien daraufhin untersucht werden, ob sie tatsächlich den MARIPHIL-Kriterien entsprechen, um als besonders bedürftig eingestuft werden zu können. Außerdem müssen die Dankesbriefe, die jeder Spender von der jeweiligen Familie erhält, rechtzeitig eingesammelt und abgeschickt werden. Einige der Freiwilligen haben das ihnen zugeteilte Wohngebiet bereits besucht, um sich vorab ein Bild von der Lebenssituation der Menschen machen zu können. Die Eindrücke der beiden Volunteers Maren und Lilo verdeutlichen die Situation, in der die Empfängerfamilien der Reissäcke leben: „Oft teilen sich mehrere Familien mit jeweils mehr als 5 Kindern ein Haus. Fischer und Tricyclefahrer gehören hier zu den besser Verdienenden, während viele andere Hunger leiden. Die Situation in Carmen wird außerdem durch Hochwasser verschlimmert, das mehrmals im Jahr meterhoch steht, da der Bezirk unter dem Meeresspiegel liegt. Das Hochwasser überflutet die Häuser und zerstört das Wenige, was die Familien besitzen. Wir finden es bewundernswert, dass die Menschen trotz allem ihr Lächeln nicht verlieren und haben sie als sehr herzlich und optimistisch erlebt“. Durch die Aktion Reissack können diese Menschen, die trotz ihrer schwierigen Lebenssituation ihren Mut niemals zu verlieren scheinen, in der Weihnachtszeit für einige Tage sorgenfrei in die nahe Zukunft blicken.

Unterstützt uns auch dieses Jahr wieder tatkräftig durch das Spenden eines Reissacks, um so vielen Menschen wie möglich fröhliche, hungerfreie Weihnachtstage zu ermöglichen und besonders, um den zahlreichen Kindern ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.