Besuch im Kinderdorf

02.03.2012 21:01

Das Kinderdorf hatte zum ersten Mal Besuch aus Deutschland. Die 23-jaehrige Theresia Storkenmaier aus Isny im Allgaeu absolvierte ein zweiwoechiges Praktikum im Kinderdorf.  Sie lebte zusammen mit den Kindern im selben Haus und unterstuetzte die „Mutter“ tatkraeftig bei den alltaeglichen Aufgaben. Die Kinder waren bereits vor ihrer Ankunft sehr gespannt und bereiteten einen kleinen Willkommensgruss in Form einer Sing-, Tanz- und Rapeinlage vor. Sie haben sich sehr ueber den Besuch und natuerlich auch ueber Theresias Geschenke wie Schockolade und Spielsachen aus Deutschland gefreut. Obwohl Theresia meinte, dass es nicht einfach ist, die vielen neuen Eindruecke zusammenzufassen und niederzuschreiben, gibt der folgende Text einen Einblick in ihre persoenlichen Erfahrungen bei uns im Kinderdorf:

Meine Zeit im Kinderdorf

Endlich, der Flug war ueberstanden.  Unfassbar, drei Wochen zuvor begann ich damit, die Tage zu zaehlen. Nun war es soweit. Sehr aufgeregt, was mich erwartet fuhren wir ins Kinderdorf. Die Kinder empfingen mich so freundlich und selbstverstaendlich. Sie begruessten mich alle, zeigten mir das MARIPHIL Kinderdorf. Ich muss gestehen, ich war sehr aufgeregt und unsicher. Es war alles so neu und anders wie in Deutschland.  Es fing schon damit an, dass die Strassenverkehrsordnung nicht so ist wie in Deutschland ;-). Die Menschen hier geben einem schnell das Gefuehl  dazuzugehoeren, nehmen einen schnell auf in ihre Gemeinschaft und leben mit dir zusammen.  Morgens findet immer eine Class statt, z.B. Deutsch, Englisch oder Mathe. Zeitweise benoetigten die Teacher gute Nerven, da die Kinder jede Menge andere Dinge im Kopf haben, ausser Lernen. Jeden Tag wird am Nachmittag eine Activity vorbereitet, wir bastelten oder veranstalteten eine Schatzsuche, manchmal spielten wir Basketball. Es war schoen zu sehen, dass die Kinder so unbeschwert spielen, mit wieviel Spass sie neuem entgegen blicken.

Der Markt besteht aus vielen verschiedenen Staenden, natuerlich gibt es auch verschiedene Einkaufscenter. Dennoch kann man auf dem Markt die besten Fruechte kaufen. Der Markt ist aufgeteilt in 3 Bereiche: Gemuese, Fruechte und Fleisch/Fisch.  Es ist wie in Deutschland der Wochenmarkt. Des oefteren besuchte ich mit Nadja den Night Market in Panabo. Man kann es sich so vorstellen, wie auf einem grossen Rummel mit vielen Essbuden. Hier trafen  wir viele Strassenkinder. In diesem Moment wird einem erst klar, ueber was fuer sinnlose Dinge man sich vielleicht in Deutschland streitet oder sich Gedanken macht. Diese Kinder waren froh ueber ein Gespraech oder eine Portion Reis.

Wir besuchten ein Maedchen, sie ist 11 Jahre alt und lebte ganz alleine in einem Haus aus Bambus und Plastik bzw. Stoffwaenden. Ihr Vater ist gestorben und vor dem neuen Freund der Mutter hat das Maedchen Angst - deshalb lebt sie lieber alleine. Das bewundernswerte, trotzt dieser Umstaende ging sie weiterhin diszipliniert in die Schule. Es war sehr beeindruckend. Nun wohnt sie im Kinderdorf und geht weiterhin zur Schule. Ziemlich zu Beginn kamen auch zwei Jungs ins Kinderdorf. Sie freuten sich sehr darauf hier wohnen zu koennen, natuerlich mussten sie sich an die Tagesstruktur und den gewohnten Tagesablauf gewoehnen. Es war sehr interessant dies miterleben zu duerfen. 

Es war teilweise sehr heiss und einmal gab es zur Belohnung ein ganz besonderes Event, ein Besuch im Freibad! Wir packten alles in den Bus (Essen, Wasser, Teller… und natuerlich die Kinder) und fuhren los. Alle waren sehr aufgeregt. Sie freuten sich sehr darauf. Sie tobten, spielten im Wasser und lachten viel. Gut, dass wir das Essen mitgebracht hatten, spaeter hatten sie natuerlich einen  “Baerenhunger”. Die Kinder waren selbst bei Regeneinbruch kaum mehr aus dem Wasser zu bekommen. Zuhause angekommen, schlief die Haelfte der Kinder im Auto.

Im Kinderdorf werden gerade zwei neue Haeuser gebaut, faszinierend, den Unterschied zu sehen. Hier wird alles von Hand gefertigt. Jeder hat seinen Aufgabenbereich. Ein Arbeiter stellt selbst die Steine selbst her. An das Duschen mit dem Schoepfer hat man sich auch schnell gewoehnt.

Die Landschaft ist unbeschreiblich schoen. Ueberall Palmen, Cocosbaeume und viel gruen. Ungewohnt um 6 Uhr den Tag zu beginnen ;-) aber es wird abends relativ schnell dunkel und der Morgen hier ist einfach die schoenste Zeit.

Nadja und ich unternahmen an einem Sonntag einen Ausflug. Island-Hopping stand auf dem Programm, mit einem kleineren Boot an verschiedene Straende. Es war der Wahnsinn! Weisser Strand, total klares Wasser, die Sonne schien, kein Regenschauer in Sicht. Im Meer war das Wasser abwechselnd  blau und tuerkis. An den Straenden konnte man bis zum Grund sehen.  Mitten im Meer besuchten wir eine Pearl-Farm, dort gab es grosse, kleine und riesige Muscheln. Es war faszinierend beim Schnorcheln die Unterwasserwelt  zu beobachten. Zum ersten Mal konnte ich Seesterne sehen und fuehlen. Es gab rote, orange und spaeter sahen wir sogar blaue. Auch sahen wir auf dem Meeresgrund schwarze “Puschel” mit kleinen Glitzerteilchen darin. Gerne haette ich von der Unterwasserwelt Fotos gemacht, aber das haette meine Kamera nicht ueberlebt.

Am Montagabend wollten wir eine Ueberraschung fuer die Kids in Panabo besorgen, die kleine wuschlige Hundedame “Happy” von Arlene sollte fuer ein paar Tage zu Besuch kommen. Voellig ueberraschend fing es an zu regnen. Kein Mensch denkt sich etwas bei Regen, aber es war viel mehr als Regen ...das Wasser lief nur so den Himmel herunter. Die Strasse war schnell mit Wasser ueberflutet. Der Sturm liess das Wasser durch die Haustuere in das Haus laufen. Wir wischten es auf und “schippten” es wieder aus dem Haus. Die Kinder freuten sich ueber das Wasser und den Regen. Sie tanzten und spielten  im Regen. Erst nach dem Abendessen liess der Regen nach, dann konnten wir “Happy” doch noch abholen und die Kinder freuten sich sehr darueber.  Schade nur, dass meine Zeit hier fast vorbei ist. Als wie ein paar Tage spaeter Happy wieder nach Hause brachten, besuchten wir in Panabo mit den Kindern eine Tanzgruppe. Einige Kinder in Panabo, die dort sonst nur rumlungern wuerden, werden ehrenamtlich von einem  jungen Mann unterrichtet. Auch unsere Kinder waren sehr begeistert, und von nun an wird der Tanzlehrer auch die Kids im Kinderdorf. Die erste Tanzstunde wurde bereits fuer den naechsten Abend ausgemacht.  Am naechsten Abend: Fertig mit Abendessen … die Tanzstunde konnte los gehen. Zuerst waren die Kids sehr aufgeregt, gerade zu schuechtern, nach einiger Zeit standen sie sehr konzentriert vor dem Tanzlehrer und lernten mit ihm ihre erste Schritte. Es wirkte, als haetten sie sehr viel Spass dabei. Heute Abend werden wir Essen an die Strassenkinder in Panabo verteilen, ich freue mich schon sehr darauf noch einmal etwas Neues erleben zu duerfen.

Hier zu sein ist wie in einer anderen Welt zu sein, die Uhren drehen sich anders, aber dieses Anders, diese andere Welt ist eine sehr sehr tolle Welt!!