Neues vom Kinderdorf

08.01.2012 19:28

Sodele, jetzt schaff ich es auch mal wieder mich zu melden!
Hier hat sich wirklich einiges getan die letzten Tage…ich weiss gar nicht so genau wo ich anfangen soll.

Also Punkt eins ist, dass ich wahnsinnig zufrieden bin mit der Sozialarbeiterin. Sie ist wirklich super und es macht irre Spass mit ihr zusammenzuarbeiten. Sie hat auch wirklich Freude an ihrem Job und das ist sehr schoen. Das ganze Team ist spitze, auch die Sekretaerin und natuerlich Arlene. Sehr gute Arbeitsatmosphaere…Im Moment gehen wir bezueglich der Hausmeistertaetigkeiten so vor, dass es entweder Keri oder ein anderer Arbeiter der Baustelle macht und Keri sonst auf der Baustelle arbeitet.

Letzte Woche waren wir eigentlich auf der Suche nach einer anderen Familie und haben dann auf dem Markt mit ein paar Jungs gesprochen. Einer von ihnen hat keine Eltern mehr und lebt seit ueber einem Jahr auf dem Gemuesemarkt. Er konnte sich nicht mehr erinnern wo das Haus seiner Schwester ist. Wobei er dort eh nicht geduldet wird und auch nicht dort hin will. Wir wollten aber trotzdem mit der Schwester sprechen um die Situation zu klaeren. Naechste Woche werden wir seine Situation genauer analysieren, sprich seine fruehere Schule aufsuchen, nochmal mit ein paar Leuten vom Markt sprechen und den Barangay Captain nach der frueheren Adresse fragen. Aber es scheint als gaebe es wirklich niemanden der sich um ihn kuemmern wuerde. Er schien hier sehr zufrieden zu sein, was bei den Schilderungen bezueglich seiner vorherigen Situation auch nicht verwunderlich ist. Er meinte, er wollte nicht betteln sondern sich sein Geld verdienen und hat zum Beispiel jeden abend den Gemueseabfall weggeraeumt. Er hatte einen riesen Abszess am Fuss und konnte nicht richtig laufen, ein eiterndes Ohr und viele entzuendete Moskitostiche. Wir waren deshalb auch schon beim Arzt ihm und es scheint besser zu werden. Er ist ziemlich unterernaehrt, fuer seine 15 Jahre sehr klein und geistig nicht auf dem altersentsprechenden Stand und zeigt zum Teil auffaelliges Sozialverhalten.

Er hat ein paar Freunde, die in der selben Situation sind, die haben wir dann auch am naechsten Tag aufgesucht. Einer hat auch keine Eltern und der andere haut immer wieder von daheim ab, weil er verpruegelt wird. Die beiden Jungs sind elf und zwoelf Jahre alt. Sie haben bei uns uebernachtet und alle drei haben uns am naechsten Tag nach Tagum begleitet, wo wir verschiedenste Papiere organisieren mussten. Sie machten alle einen zufriedenen Eindruck und haben unglaublich viel gegessen :-) Naja, ums kurz zu machen, nachdem Arlene die Jungs abends ins Bett gebracht hat sind die zwei neuen Jungs abgeduest :-) War ein bissl komisch weil sie meinten sie sind voll froh hier zu sein und freuen sich in die Schule gehen zu koennen. Auch die Frage, ob sie zurueck nach Panabo wollen haben sie verneint.

Ich denke es ist fuer die Kids ziemlich schwierig sich an einen geregelten Tagesablauf zu gewoehnen. Ausserdem ist mit nur drei Kindern im Haus natuerlich nicht so viel geboten wie beim Ultra-Bowl :-) Aber das groesste Problem koennte sein, dass sie wohl Rugby schnueffeln. Ich kenn mich nicht genau damit aus…aber ich denk, dass da auch Abhaengigkeit und gewisse Entzugserscheinungen mit in Verbindung stehen. Naja, vielleicht brauchen sie noch ein bissl Zeit und wir versuchen es nochmal, wenn die Angel Baraquiel Kinder da sind und ein bissl mehr Leben in der Bude ist :-) Wir haben ihren Freunden in Panabo gesagt, dass sie den zwei Ausbuechsern doch bitte ausrichten, dass wir sie nochmal besuchen kommen, wir sie nicht zwingen werden m Kinderdorf zu wohnen und wir nicht boese mit ihnen sind. Mal schaun wie sie das naechste Mal auf uns reagieren :-)

Gestern waren wir dann mit Harvey in der Stadt, ich hab dort Tennis gespielt. Er hat noch ein paar andere Freunde getroffen mit denen er gespielt hat. Nachdem wir dann wieder zuhause waren hat er angefangen zu weinen und hat gefragt ob wir ihn wieder zum Ultra-Bowl bringen wuerden. Er vermisse seine Freunde und er hat hier niemanden zum Spielen. Wir haben uns mit ihm unterhalten aber er wollte wieder zurueck und wir haben ihn hin gebracht, bevor er auch abhaut und die ganze Strecke laeuft. War schon ein bissl traurig und enttaeuschend, aber ich versteh auch, dass seine wirklich engen Bindungen im Moment noch zu den anderen Kindern auf der Strasse bestehen. Mal schaun...ich seh seine Entscheidung noch nicht endgueltig...er war auch ein bissl hin und hergerissen. Wir haben noch mit einigen anderen Jungs (auch Freunde von ihm) auf der Strasse Kontakt und analysieren ihre Situation. Es gibt viele Kinder, die sofort mit uns mitwollen. Vielleicht aendert auch er und die anderen zwei ihre Meinung sobald mal ein paar hier sind.

Stichwort Tagum: Alle Mitarbeiter haben jetzt eine TIN, wir haben eine Steuerbefreiung fuer das Kinderdorf beantragt, Flor und Shyne haben einen vorlaeufigen Fuehrerschein. Arlene hat dieses Mal den Fuehrerschein nicht gemacht, da wohl einige Familienmitglieder ihr einen solchen Druck gemacht haben und meinten ohne Fixer sei das auf keinen Fall moeglich. Emem und ich wollen aber den offiziellen Weg gehen…es ist manchmal wirklich sehr erstaunlich was ich hier ueber die administrativen Gepflogenheiten mancher Aemter und Bueros erfahr. Da haengen ueberall Anti-Fixer-Campaign Schilder mit Strafandrohung und vor den Bueros lungern hunderte von ihnen rum und warten nur darauf dich abzufangen.

Das PhilHealth Office hatte bereits geschlossen aber wir bekamen ein paar wichtige Informationen und ausserdem haben wir erfahren, dass das SSS Office in Panabo fuer uns zustaendig ist, obwohl man uns vorher in Panabo sagte wir muessen nach Tagum :-)

Also wir konnten noch nicht alles aber schon einiges regeln…

Ich hab meine Arbeitsgenehmigung fuer ein Jahr genehmigt bekommen. Wird am Montag nach Davao und dann auch mein Working Visa beantragen…bin gespannt was das dann kostet. Ausserdem haben wir nun endlich alle Papiere fuer die DSWDO Lizenz zusammen.

Hier sind noch ein paar Bilder von der Baustelle…die macht gerade ganz schoen Fortschritte…

Nadja Glöckler