Licht zum Lernen

Viele unserer Schulkinder leben in Häusern, die abseits der Strassen liegen und über keinen Anschluss an das öffentliche Elektrizitätsnetz besitzen. Da Schulkinder auf den Philippinen nach dem Unterricht in der Regel im Haushalt, bei der Betreuung der Geschwister und auf den Feldern mithelfen müssen, bleibt nur Abends Zeit zum Lernen. Und ohne Elektrizität müssen diese Kinder sich mit dem Licht von Kerzen oder Petroleumlampen begnügen.

So sieht eine der in diesen Häusern gebräuchliche “Petroleumlampen” aus. Sie besteht in der Regel aus einer kleinen Glasflasche mit einem Docht. Damit die Flamme nicht erlischt, muß die Flasche regelmäßig geschüttelt werden, um den Docht mit Petroleum zu versorgen. Mit dieser Beleuchtung ist nur eine spärliche Lichtausbeute zu erzielen und die Feuergefahr ist enorm hoch, denn die Bambushütten brennen wie Zunder. Ausserdem brennt der Ruß in den Augen und es stinkt.

Das Ziel dieser Aktion ist es, auch Kindern die Möglichkeit zum Lernen zu geben. Durch die Installation von kompakten Photovoltaik-Anlagen steht auch in diesen Häusern Elektrizität zur Verfügung um Abends bei Licht für die Schule lernen zu können.

Startschuss - Licht zum Lernen

Die Firma MC Solar mit Sitz in Mengen unterstützt das mildtätige Hilfsprojekt Mariphil tatkräftig. Ziel dieser Zusammenarbeit ist der Zugang zur Photovoltaik auch für arme Bevölkerungsschichten im Projektgebiet vom Mariphil auf der philippinischen Insel Mindanao. Mit der Übergabe einer Spende über 4990 Euro durch die Fa. MC Solar im Rahmen des MARIPHIL-Patentreffens am 08. Juli 2006 konnte das Projekt gestartet werden.

Die Zusammenarbeit mit MARIPHIL geht bei der Firma MC Solar so weit, dass nun einer der Geschäftsführer, Herr Werner Schweikert, das Projekt auf den Philippinen selbst besuchen wird. Er wird die Möglichkeiten der Zusammenarbeit vor Ort mit den Verantwortlichen des deutschen Vereins Mariphil und der philippinischen Partnerorganisation „Aidproject MARIPHIL Incorporated“ abstimmen. Dabei soll der Einsatz der Mittel so bedarfsgerecht und effizient als möglich geschehen.

Auf dieser Grundlage sind dann weitere Projekte geplant. Beispiele hierfür sind die Installation von solarbetriebenen Trinkwasserbrunnen, die Kühlung von Schulklassen durch Ventilatoren oder die Kühlung von verderblichen Lebensmitteln. „Sonne gibt es in der äquatornahen Region im Überfluss“, so Martin Riester, 1. Vorstand des mildtätigen Projekts MARIPHIL.

Vorbereitungen

Nachdem das Grobkonzept der Pilotanlage zusammen mit den philippinischen Partnern festgelegt wurde, ging es an die Beschaffung der benötigten Bauteile.

Wer meint, man könne in Panabo einfach in einen Baumarkt gehen und die entsprechenden Teile in ein Wägelchen laden, dürfte seine erste größere Überraschung erleben. Da es keinen Baumarkt gibt, ist es erforderlich die verschiedenen Hardware-Stores von Panabo abzuklappern und aus dem jeweiligen Angebot sich die für den vorgesehenen Einsatzzweck am besten geeigneten Bauteile auswählen. Manche Dinge mussten beim Dorfschlosser angefertigt werden - manche mussten erst bestellt werden z.B. wartungsfreie Batterien...

Im Rahmen der Einweihungsfeier der Tubod-Carmen Elementary-School wurden die geplanten Solarprojekte der Bevölkerung vorgestellt. Das Solarprojekt fand bei den anwesenden Vertretern der Schulbehörden und der Komunalverwaltung sehr großes Interesse, obwohl uns natürlich klar war, dass die allerwenigsten tatsächlich begriffen hatte, um was es hier tatsächlich geht...

Links: Martin Riester (MARIPHIL Deutschland)
Mitte: Werner Schweikert (MC-Solar Deutschland)
Rechts: Emeterio Blase (MARIPHIL Foundation, Philippines)

Installation der ersten Photovoltaik-Anlagen

Als Standort für die Photovoltaik-Kleinanlagen haben wir ganz in der Nähe unseres Projekthauses eine Siedlung mit insgesamt 17 einfachen Bambushütten gefunden, die keinen Anschluß an das öffentliche Stromnetz besitzen. Diese Siedlung mit dem Namen “Purok 1” liegt inmitten von Reisfeldern und ist nur über schmale Fußwege erreichbar. Nach Regenfällen ist dieser Pfad nahezu unpassierbar...

Die Solarpanels wurde mit den vom Dorfschmied angefertigten Haltewinkeln direkt auf dem Wellblechdach befestigt. Eine wackelige Sache - das Blech ist so dünn und korrodiert, dass dies nur von einem extrem leichtgewichtigen Philippino bewerkstelligt werden konnte. Kein Leichter Job, das Blechdach war von der Sonne extrem heiss.

Die Installation wurden von unserem philippinischen Allroundhandwerker Germello unter Anleitung von Werner Schweikert durchgeführt. Über die Art und Weise, wie Germello die Installation mit akrobatischen Verrenkungen bewerkstelligt hatte, konnten wir natürlich nur ungläubig staunen.

Ohne Zuschauer geht es nicht - für die Kinder waren unsere Aktivitäten und vor allem unsere Werkzeugkiste hochinteressant...

Aber am Abend war die Installation der Photovoltaik-Kleinanlage fertig und hat tatsächlich einwandfrei funktioniert. Die Beleuchtung wurde mittels mehreren energiesparenden LED-Lampen realisiert, eine effektive und langlebige Lösung.

Januar 2007: Erste Freistehende Solaranlage wird installiert

Nach ausführlichen Diskussionen um die Art der Installation und damit Langlebigkeit der von Würth Solar und MC Solar gespendeten Solarzellen (CIS - Module) und Installationsmaterial wurde im Januar 2007 nun eine erste freistehende Anlage sozusagen als Pilotanlage aufgebaut, mit der 3-4 Familien versorgt werden sollen.

Gründe für diese Art der Installation:

  • die Häuser/Hütten sind in der Regel nicht so langlebig wie die Module und zum Teil sehr instabil. Die Gefahr der Beschädigung ist zu groß.
  • die durch das Wellblech entstehende und die Zellen ev. schädigende "Unterhitze" ist bei freier Aufstellung nicht vorhanden. Die Zellen werden von unten "gekühlt".
  • Stabilität auch bei tropischen Stürmen oder Gewittern, die recht heftig sein können.
  • Aufgrund der freistehenden Bauweise ist eine optimale Plazierung der Solaranlage und eine Reduzierung der Kabellänge möglich.
  • die Durchführung der Installation ist erheblich sicherer, da die labilen Dächer nicht betreten werden müssen.
  • Auch ist bei einer Veränderung des Bedarfs auch der Transfer an einen anderen Aufstellungsort jederzeit möglich.

Bei ausreichend stabilen Hütten kann man auch aufs Dach installieren, jedoch auch mit Luft zwischen Zellen und Dach. Ich denke, diese Aktion ist auch ein guter Feldversuch für Würth Solergy für den Einsatz der CIS Technik in den Tropen.

Nachteil dieser Methode sind höhere Kosten für Installation und Material, die wir zur Zeit ermitteln. Doch dieser Nachteil sollte sich durch die Langfristigkeit der Maßnahme mehr als ausgleichen.

Januar 2008: Insgesamt 10 freistehende Solaranlagen in Purok1 und Purok 5

In der Zwischenzeit wurden bereits eine ganze Reihe der freistehende Solarpanels im Gebiet Purok1 montiert. Ausserdem wurden in Absprache mit “MC Solar” auch das Gebiet Purok 5 in das Projekt miteinbezogen.

Aufgrund der beim Aufbau der bisherigen Anlagen gesammelten Erfahrungen wurde die Anzahl der von einer Anlage verorgten Haushalte auf maximal 3 reduziert. Auf Anraten der Experten von “MC Solar” werden auch Kabel mit grösserem Leitungsquerschnitt und leistungsfähigere Batterien verwendet.
 In der Regel werden je nach örtlichen Gegebenheiten zwischen 3 und 4 “Häuser” über ein Solarpanel mit Elektrizität versorgt. Techniker Germello hat mittlerweile die Technik im Griff - alles funktioniert bisher hervorragend.

Unser Techniker Germello bildet derzeit einen weiteren Philippino aus, damit sich die beiden bei der doch recht schweren und anspruchsvollen Arbeit unterstützen bzw. ergänzen können. Im Grunde wurden durch das Projekt “Light to Learn” insgesamt 2 Arbeitsplätze geschaffen.

Insgesamt wurden bis Januar 2008 an verschiedenen Standorten 10 freistehende Solaranlagen installiert, die zusammen 26 Haushalte mit Elektrizität versorgen.

Schaut man sich die beiden “Häuser” an, wird auch sofort klar, warum wir die Montage direkt auf dem Dach aufgegeben haben: die überwiegende Anzahl der Dächer besteht aus sog. Nepa - einer Konstruktion aus Palmblatt-Matten.

Mai/Juni 2009: Installation von Solaranlagen bei verschiedenen Patenkindern

Aufgrund einer großzügigen Spende war es Mariphil möglich bei verschiedenen Patenkindern Solaranlagen zu installieren. Auch diesmal hat Mariphil auf freistehende Solaranlagen zurückgegriffen - dies ist derzeit die technisch beste Lösung.

Hierfür ein herzliches “Vergeltsgott”, die Patenkinder und Ihre Familien sind überglücklich!

Projektreise Oktober 2009: Solarprojekt Katualan

Während der Projektreise im Oktober 2009 besuchten wir die am weitesten abgelegenen Solarprojekte „Light to Learn“ im Projektgebiet. Wir benötigten jeweils fast eine Stunde für die An- und Rückreise, da die Strassen extrem schlecht waren. Hier im Barangay Katualan ist überhaupt kein Anschluss an die öffentliche Stromversorgung vorhanden. Wir haben dort 2 Anlagen besucht.

Die Anlagen funktionierten einwandfrei. Bei einer der Anlage haben wir uns entschieden, eine grössere Batterie einzusetzen, damit für die angeschlossenen Häuser die Ladekapazität des Solarpanels auch voll genutzt werden kann.

Projektreise Oktober 2009: Recherche vor Ort

Für Mariphil ist es sehr wichtig, daß Spenden bei wirklich bedürftigen Menschen ankommen. Das gilt natürlich auch für die Installation einer Solaranlage im Projektgebiet. So war es für Mariphil selbstverständlich, daß wir während unserer Projektreise auch persönlich unsere Freunde bei der Recherche über den Einsatz einer solchen Solaranlage begleitet haben.

Ein schmaler schlüpfriger Pfad führt uns über Reisfelder, Kokos- und Bananenplantagen, über verschiedene Bewässerungskanäle bis wir endlich vor der Hütte einer unserer Mariphil-Schülerinnen standen - mitten im Wald, ohne Strom- und Wasseranschluss...

Es ist einfach so - man muss persönlich erlebt haben, unter welchen Bedingungen die Menschen im Projektgebiet leben. Hier gibt es keinen Anschluss an das öffentliche Elektrizitätsnetz und das Wasser kommt aus einem selbstgegrabenen Brunnen. Das Haus liegt fernab einer Strasse und diesen Schulweg muss das Mädchen nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch bei Regen oder spät Abends bei Dunkelheit zurücklegen.

Bei dieser Familie ist eine Solaranlage sinnvoll eingesetzt.

Februar 2011: Besuch Solarprojekte “Light to Learn”

Auch diesesmal haben wir natürlich auch unser Projekt “Light to Learn” besucht. Allerdings wurden unsere Vorahnungen leider bestätigt - dieses Projekt läuft auch nach mehreren Jahren noch immer nicht so, wie wir uns das vorstellen...

Trotz bereits mehrfachen Versuchen, den Projektteilnehmern den Umgang mit einer solchen Photovoltaik-Kleinanlage zu vermitteln, haben die Leute noch immer Schwierigkeiten mit den einfachsten Grundlagen bezüglich der Handhabung in der Praxis.

Im einzelnen sind folgende Problem-Schwerpunkte festzustellen:

  • Installation
    Bereits bei der Installation der Photivoltaik-Kleinanlagen werden noch immer Fehler bei der Standortwahl der Solarpanels gemacht. Auch die Qualität der Elektroinstallation ist unbefriedigend. Durch die Verwendung “funktionsloser” Ersatz-Steuergeräte aus philippinischer Fertigung werden Anlagenteile teilweise bereits kurz nach der Inbetriebnahme zerstört. Die Einweisung der späteren Nutzer ist offensichtlich noch unzureichend.
  • Handhabung
    Den Nutzern fehlen die Grundkenntnisse in der Handhabung der Photovoltaik- Anlagen. Dadurch ist eine fachgerechte Benutzung nicht gewährleistet.
    z.B. wird eine 220V-Glühbirne in die 12V-Solaranlage eingebaut, kann das nicht funktionieren
    z.B. bleibt das “umsonst” Licht tagsüber eingeschaltet, ist ein Aufladen der Batterie nicht möglich und die Anlage bleibt abends dunkel...
    z.B. die Solarpanels werden durch Bäume und Äste beschattet und bringen nicht die optimale Leistung
    usw...
  • Instandhaltung
    Die Kommunikation zwischen den Nutzern der Photovoltaik-Anlagen und dem Wartungspersonal scheint nicht zu funktionieren - dadurch sind weitere unnötige Systemprobleme vorprogrammiert.
  • Rücklagenbildung
    Auch die Zahlungen der für Rücklagen vorgesehenen Beiträge funktionieren nicht, obwohl es sich im Vergleich zu den Kosten für “alternative" konventionelle Energiequellen um geradezu symbolische Beträge handelt.

Daher ist dieses Projekt momentan unser Sorgenkind Nr. 1 - bevor die aktuellen Probleme bezüglich Installation, Handhabung und Instandhaltung nicht gelöst sind, wird MARIPHIL vorerst keine neuen Anlagen aufstellen.

November 2011: Aktueller Stand

Das Projekt "Licht zum Lernen" umfasst derzeit insgesamt 16 Photovoltaik-Anlagen unterschiedlicher Grösse und Bauart. Diese Anlagen versorgen 41 Haushalte mit Elektrizität. Verteilt sind die Anlagen auf die Puroks 1, 3, 3A und 5 im Projektgebiet.